Nieren und Leber bei Katzen
Nieren und Leber gehören zu den wichtigsten Organen des Katzenkörpers – und gleichzeitig zu den verletzlichsten. Eine chronische Niereninsuffizienz betrifft bis zu 30–40 % der Katzen über 10 Jahren und ist die häufigste Todesursache bei älteren Katzen. Lebererkrankungen sind die zweithäufigste Krankheitsgruppe, die bei Katzen überhaupt diagnostiziert wird. Dennoch lässt sich das Fortschreiten mit der richtigen Ernährung, gezielter Nahrungsergänzung und regelmäßiger Vorsorge deutlich verlangsamen und so die Lebensqualität und Lebenserwartung der Katze verbessern.
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Eine Schlüsseltatsache, die viele Besitzer nicht kennen, ist, dass Nieren und Leber über eine enorme Funktionsreserve verfügen – klinische Krankheitssymptome zeigen sich bei Katzen erst, wenn mehr als 65–75 % des funktionsfähigen Gewebes geschädigt sind. Das bedeutet, dass die Krankheit lange unbemerkt fortschreiten kann und eine vorbeugende Unterstützung auch bei scheinbar gesunden Katzen mittleren und höheren Alters sinnvoll ist.
Unterstützung der Nieren bei Katzen
Katzennieren sind außergewöhnlich leistungsfähige Organe – Katzen sind evolutionär an ein Leben in trockener Umgebung angepasst, und ihre Nieren können außergewöhnlich konzentrierten Urin produzieren. Diese Fähigkeit hat jedoch ihren Preis – die Nieren von Katzen sind ihr ganzes Leben lang stark belastet, und ihr allmählicher Verschleiß ist bei älteren Katzen praktisch unvermeidlich.
Die chronische Niereninsuffizienz (CKD) ist bei Katzen eine fortschreitende Erkrankung, die nicht geheilt, deren Verlauf aber deutlich verlangsamt werden kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die kontrollierte Phosphoraufnahme – Phosphor beschleunigt die Schädigung des Nierengewebes, weshalb seine Einschränkung zu den wichtigsten Ernährungsmaßnahmen bei Katzen mit Nierenerkrankung gehört. Spezielle Präparate, sogenannte Phosphatbinder, werden mit dem Futter verabreicht und verringern die Aufnahme von Phosphor aus der Nahrung.
Wichtige Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Nieren bei Katzen:
- Phosphatbinder – binden im Darm den mit der Nahrung aufgenommenen Phosphor und verhindern seine Aufnahme ins Blut. Sie zählen zu den wichtigsten Präparaten für Katzen mit diagnostizierter CKD. Sie werden ausschließlich unter tierärztlicher Aufsicht verabreicht, da eine übermäßige Phosphoreinschränkung schädlich sein kann.
- Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) – reduzieren Entzündungen im Nierengewebe, verlangsamen das Fortschreiten der CKD und verbessern die Durchblutung der Nieren. Fischöl gehört zu den am häufigsten empfohlenen Ergänzungsmitteln für Katzen mit Nierenerkrankung – wählen Sie stets Präparate für Tiere mit kontrolliertem EPA- und DHA-Gehalt.
- Antioxidantien – Vitamin E und C – schützen die Nierenzellen vor oxidativen Schäden durch chronische Entzündungen. Oxidativer Stress spielt beim Fortschreiten der CKD eine Schlüsselrolle, und seine Eindämmung verlangsamt den Verlust funktionsfähigen Gewebes.
- B-Vitamine – Katzen mit Nierenerkrankung verlieren über den Urin vermehrt B-Vitamine, da die geschädigten Nieren sie weniger effizient rückresorbieren. Eine Nahrungsergänzung mit B-Vitaminen – insbesondere B1, B6 und B12 – ist bei Katzen mit CKD sehr wichtig.
- Probiotika und Darmsorbenzien – spezielle Probiotika sowie Präparate wie Aktivkohle oder Zeolithe senken den Gehalt stickstoffhaltiger Abfallstoffe im Blut, indem sie deren Ausscheidung über den Darm anstelle der Nieren fördern. Dadurch entlasten sie die geschädigten Nieren und lindern die Symptome der Urämie.
- Kalium – Katzen mit CKD leiden häufig an Hypokaliämie – einem Kaliummangel, der durch erhöhte Verluste über die geschädigten Nieren entsteht. Kaliummangel verursacht Muskelschwäche und Schmerzen und verschlechtert die Nierenfunktion zusätzlich. Eine Kaliumsupplementierung ist bei diesen Katzen sehr wichtig, sollte aber stets unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen.
Unterstützung der Leber bei Katzen
Die Leber ist das komplexeste Stoffwechselorgan des Katzenkörpers – sie übernimmt über 500 verschiedene Funktionen, von der Entgiftung schädlicher Stoffe über den Nährstoffwechsel bis hin zur Bildung von Blutproteinen und Galle. Die Leber der Katze ist dabei besonders empfindlich – Katzen können bestimmte Stoffe, die für andere Arten völlig unbedenklich sind, nur eingeschränkt verstoffwechseln. Deshalb sind für Katzen viele Medikamente, Pflanzen und Chemikalien giftig, die Hunden oder Menschen nicht schaden.
Die häufigsten Lebererkrankungen bei Katzen sind die hepatische Lipidose (Fettlebererkrankung durch Hungern), die Cholangitis (Entzündung der Gallenwege) und die IBD (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) – die bei Katzen sehr häufig gemeinsam mit einer Lebererkrankung als sogenannte Triaditis auftritt.
Wichtige Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Leber bei Katzen:
- SAMe (S-Adenosylmethionin) – ein natürlich vorkommender Stoff, der für die Entgiftungsfunktion der Leber und die Bildung von Glutathion – dem wichtigsten Antioxidans in den Leberzellen – von zentraler Bedeutung ist. Katzen mit Lebererkrankung haben eine verringerte Fähigkeit, SAMe selbst zu synthetisieren, weshalb dessen Supplementierung zu den am häufigsten empfohlenen Präparaten der leberschützenden Therapie bei Katzen gehört.
- Mariendistel (Silymarin) – das bekannteste natürliche Leberschutzmittel. Silymarin schützt die Leberzellen vor Schäden durch Giftstoffe, unterstützt deren Regeneration und wirkt stark entzündungshemmend. Es ist für die langfristige Gabe unbedenklich und lässt sich gut mit SAMe kombinieren.
- Glutathion – das wichtigste Antioxidans in den Leberzellen, das Giftstoffe neutralisiert und die Zellen vor oxidativen Schäden schützt. Sein Spiegel ist bei Katzen mit Lebererkrankung deutlich verringert. Die direkte Supplementierung von Glutathion oder seinen Vorstufen unterstützt die Entgiftungskapazität der Leber.
- Taurin – eine für Katzen essenzielle Aminosäure, die für die Bildung von Gallensäuren und eine gesunde Leberfunktion unerlässlich ist. Ein Taurinmangel begünstigt die Entstehung von Lebererkrankungen, weshalb eine Supplementierung besonders bei selbst zubereiteter Nahrung oder minderwertigem Futter sinnvoll ist.
- Vitamin B12 (Cobalamin) – Katzen mit Leber- oder Darmerkrankungen leiden sehr häufig an einem Vitamin-B12-Mangel, der die Leberfunktion und den Allgemeinzustand verschlechtert. Eine B12-Supplementierung ist bei diesen Katzen fast immer angezeigt und verbessert Allgemeinzustand und Appetit deutlich.
- Omega-3-Fettsäuren – reduzieren Leberentzündungen, helfen bei Leberverfettung und unterstützen einen gesunden Fettstoffwechsel in der Leber. Besonders geeignet für Katzen mit hepatischer Lipidose oder chronischen Leberentzündungen.
Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
Katzen sind Meister darin, Krankheitssymptome zu verbergen. Zu den ersten Anzeichen einer Nieren- oder Lebererkrankung, die Sie nicht übersehen sollten, gehören:
- Gesteigerter Durst und häufiges Wasserlassen – eines der frühesten Anzeichen einer CKD. Geschädigte Nieren können den Urin nicht mehr konzentrieren, sodass die Katze größere Mengen produzieren muss.
- Gewichts- und Muskelmasseverlust – sowohl bei Nieren- als auch bei Lebererkrankungen kommt es zu einem allmählichen Gewichtsverlust, selbst bei erhaltenem Appetit.
- Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten oder Augenweiß – Ikterus ist ein Anzeichen für eine Lebererkrankung oder hämolytische Anämie und erfordert sofortige tierärztliche Versorgung.
- Erbrechen und Appetitlosigkeit – chronisches Erbrechen oder Futterverweigerung bei Katzen mittleren und höheren Alters erfordert immer eine tierärztliche Untersuchung.
- Lethargie und verminderte Aktivität – eine Katze, die nicht mehr springt, nicht mehr spielt oder ungewöhnlich viel Zeit versteckt verbringt, kann ein Anzeichen für eine chronische Erkrankung sein.
- Maulgeruch, der an Ammoniak oder verbranntes Fett erinnert – ein spezifischer Geruch, der durch die Ansammlung von Abfallstoffen im Blut bei Nieren- oder Leberversagen entsteht.
Praktische Tipps zur Pflege von Nieren und Leber Ihrer Katze:
- Stellen Sie Ihrer Katze immer Zugang zu frischem Wasser sicher – ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist die wichtigste Vorbeugung gegen Nierenerkrankungen. Ein Trinkbrunnen mit fließendem Wasser erhöht die Flüssigkeitsaufnahme deutlich.
- Geben Sie Katzen niemals für Menschen oder Hunde bestimmte Medikamente ohne Rücksprache mit dem Tierarzt – Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin sind für Katzen tödlich giftig.
- Lassen Sie bei Katzen mittleren und höheren Alters mindestens einmal jährlich regelmäßige Blutuntersuchungen durchführen – sie decken Nieren- und Leberschäden lange auf, bevor klinische Symptome auftreten.
- Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung von Nieren und Leber sollten Sie immer mit dem Tierarzt besprechen – insbesondere Phosphatbinder, Kalium und SAMe erfordern eine an den aktuellen Zustand der Katze angepasste Dosierung.
- Lassen Sie eine Katze mit diagnostizierter Nieren- oder Lebererkrankung niemals hungern – schon eine kurze Phase ohne Nahrungsaufnahme kann bei diesen Katzen eine hepatische Lipidose auslösen und ihren Zustand deutlich verschlechtern.
Nieren und Leber arbeiten Tag für Tag still und unbemerkt für Ihre Katze – bis sie Hilfe brauchen. Regelmäßige Vorsorge, die richtige Ernährung und eine rechtzeitige Nahrungsergänzung sind der einfachste Weg, ihnen diese Arbeit zu erleichtern und Ihrer Katze ein aktives, zufriedenes Leben zu ermöglichen.
